45. Internationales Städteforum 2022

„Zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität“

Welchen Beitrag können Städte für eine zukunftsfähige und mobilere Welt leisten, um die Herausforderung urbaner Mobilität zu bewerkstelligen?

Sonnabend, 18. Juni

Zur Kieler Woche werden in jedem Jahr Delegationen der Partnerstädte und befreundeter Städte eingeladen, um beim Internationalen Städteforum über ein jährlich neu festgelegtes kommunales Fachthema zu diskutieren. Die Veranstaltung hat somit viel Potential für die Internationale Arbeit der Landeshauptstadt Kiel.


Worum es 2022 geht

Mobilität im urbanen Raum ist ein Thema, das Kiel in gleicher Weise bewegt wie seine Partnerstädte. Sowohl die Verkehrsplanung als auch das Angebot des ÖPNV sind zentrale Aufgaben von Städten und Kommunen in der Welt. Insbesondere vor dem Hintergrund der Klimakrise ist die Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte wichtiger denn je. 

Deutschlandweit und auch in Kiel ist der Verkehrssektor der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Für ein klimagerechteres Leben muss daher im Bereich Mobilität in den Städten viel passieren – eine globale Herausforderung, die nur gemeinsam zu meistern ist.

Das Thema Mobilität knüpft somit an das Städteforum 2021 zu den Sustainable Development Goals an. Die Mobilitätswende ist ein wesentlicher Bestandteil der nachhaltigen Stadtentwicklung nicht nur in Kiel. Bereits in den Vorgesprächen mit den Partnerstädten zum diesjährigen Städteforum zeichnete sich ab, dass das Thema überall einen sehr hohen Stellenwert hat und somit eine sinnvolle Fortführung des in diesem Jahr begonnenen Diskurses darstellt.
 

Wem gehört die Stadt, und wie wollen wir in Zukunft mobil sein? Längst hat sich herausgestellt, dass das in den 1970er Jahren entworfene und propagierte Konzept der autogerechten Stadt ein Irrweg war. Die damals fortschrittliche Idee, das Leben nach den Funktionalitäten Wohnen, Arbeit und Freizeit zu trennen und erst im zweiten Schritt eine Verbindung dieser Bereiche über Mobilität zu planen, hat sich als Chimäre erwiesen. In wenigen Jahrzehnten wurde ein jahrhundertaltes Prinzip, nämlich Siedlungen entlang von bestehenden Verkehrswegen entstehen zu lassen, über den Haufen geworfen. Das Auto galt als Wundermittel und eröffnete zumindest einem kleinen Teil der Bevölkerung eine neue Freiheit und Flexibilität.

Für viele bedeutete es aber auch eine neue Form der Abhängigkeit und inzwischen sind auch die negativen Aspekte der Automobilisierung nicht mehr zu übersehen: Verstopfte Straßen, Lärm und eine enorme Belastung durch Luftschadstoffe sind nur einige der negativen Folgen, die die gesamte Gesellschaft zu tragen hat. Neben den Belastungen für Umwelt und Gesundheit durch fehlende Bewegungsräume und stadtklimatische Veränderungen sind auch die sozialen Folgen nicht außer Acht zu lassen. Das Prinzip der autogerechten Stadt hat die Bedürfnisse vieler Menschen hinsichtlich alternativer Nutzungsformen des öffentlichen Raums, im Sinne einer lebenswerten, nachhaltigen und sozialen Stadt lange Zeit in den Hintergrund gedrängt. Dies führt zunehmend zu Konflikten, Forderungen nach einer Neuverteilung des öffentlichen Raums und nach alternativen Mobilitätskonzepten werden lauter.

Das Internationale Städteforum 2022 widmet sich dem Thema Zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität. Die Diskussionen unter den Teilnehmenden des letztjährigen Städteforums haben gezeigt, dass dieses Thema überall einen hohen Stellenwert hat. Es knüpft daher folgerichtig an das Städteforum 2021 zu den Sustainable Development Goals an. Ohne eine Verkehrswende können wesentliche Ziele der Agenda 2030 nicht erreicht werden. Das SDG-Ziel 11 verweist explizit darauf, dass allen Menschen der Zugang zu sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Verkehrssystemen ermöglicht werden soll. Für ein klimagerechteres, nachhaltigeres und gesünderes Leben muss daher im Bereich Mobilität in den Städten viel passieren.

Es gibt wohl nur wenige Themenkomplexe, die sich auf so viele Lebensbereiche auswirken und die so viele Personengruppen betreffen wie Mobilität. Wir alle nutzen Verkehrsmittel, wir alle wollen an andere Orte gelangen und sind daher auf verschiedene Weise mobil. Die Entwicklung nachhaltiger, zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte betrifft Kommunen und ihre Bürger*innen, Stadt- und Verkehrsplaner*innen sowie Interessensgruppen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen. Insofern kann die Mobilitätswende nur gelingen, wenn all diese Gruppen miteinbezogen werden. Entscheidungen für die Zukunft können nur in der Abwägung der verschiedenen Interessen getroffen oder auch unterlassen werden.

Im Rahmen des Städteforums sollen daher möglichst viele Aspekte des Themas beleuchtet werden und unterschiedliche Personengruppen zu Wort kommen. Neben Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung werden in diesem Jahr erstmalig auch Vertreter*innen der Zivilgesellschaft in das Städteforum eingebunden. Herzstück der Veranstaltung sind die vier thematischen Workshops, in denen die teilnehmenden Städte ausgehend von einem Praxisbeispiel über Vor- und Nachteile, über Chancen und Herausforderungen, aber auch über Lessons learnt von erprobten Ansätzen einer nachhaltigen Mobilität miteinander ins Gespräch kommen sollen. Im Einzelnen greifen die Workshops die folgenden vier Aspekte von Mobilität auf:

 
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Mehr Informationen über unsere Partnerstädte und befreundeten Städte sowie die internationale Arbeit der Stadt unter

Kiel bereitet seine Verkehrswende vor. Das Öffentliche Nahverkehrssystem wird eine deutliche Aufwertung erfahren.

Für die Landeshauptstadt Kiel ist das Thema Mobilität 2022 von besonderem Interesse. Bereits 2017 hatte Kiel gemeinsam mit den umliegenden Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön einen „Masterplan Mobilität“ verabschiedet. Einer der zentralen Punkte in diesem Handlungskonzept ist neben dem Ausbau des Fahrradnetzes auch die Entwicklung eines tragfähigen innerstädtischen ÖPNV-Netzes. Im kommenden Jahr soll die Entscheidung darüber fallen, wie der Stadtverkehr Kiels in Zukunft aussehen soll. Aktuell erarbeiten die Verkehrsplaner*innen eine Trassenstudie, die die beiden Alternativen – Schnellbusse (BRT) oder Stadtbahn (Tram) – in ihren Vor- und Nachteilen gegenüberstellt. Die Studie soll Ende 2022 abgeschlossen sein und eine Entscheidungsgrundlage für die Kieler Ratsversammlung bilden. Eine Diskussion mit unseren internationalen Partnerstädten über deren Mobilitätskonzepte für die Zukunft ist somit für Kiel im kommenden Jahr besonders wertvoll.

Ziel des Städteforums 2022 soll es daher sein, mit den Partnerstädten über die unterschiedlichen Aspekte von urbaner Mobilität und die Herausforderungen der Mobilitätswende in einen Austausch zu kommen. Nach einem einführenden Impulsvortrag der Mobilitätsexpertin Katja Diehl sowie einem Dialoggespräch zwischen Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und Jana Kühl, Professorin für Radmanagement an der Ostfalia Universität, wird es Workshops zu vier verschiedenen Aspekten von Mobilität geben: 

  • Stärkung des emissionsarmen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
  • Ausbau von Fuß- und Radverkehr
  • Digitalisierung und Mobilitätswende
  • Mobilität rund ums Wasser

Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine kurze Podiumsdiskussion, die auch Vertreter*innen der Zivilgesellschaft mit einbeziehen soll. Als Querschnittsthema soll dabei immer mitgedacht und diskutiert werden, wie die städtische Bevölkerung mitgenommen und für die Mobilitätswende begeistert werden kann. Der Austausch und die internationale Kooperation mit Kiels Partnerstädten kann bei der Entwicklung von Lösungsansätzen für die Herausforderungen der Mobilitätswende wichtige Impulse geben.

 

Masterplan Mobilität

Für die Landeshauptstadt Kiel ist das Thema Mobilität 2022 von besonderem Interesse. Bereits 2017 hatte Kiel gemeinsam mit den umliegenden Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön einen „Masterplan Mobilität“ verabschiedet. Einer der zentralen Punkte in diesem Handlungskonzept ist neben dem Ausbau des Fahrradnetzes auch die Entwicklung eines tragfähigen innerstädtischen ÖPNV-Netzes. Im kommenden Jahr soll die Entscheidung darüber fallen, wie der Stadtverkehr Kiels in Zukunft aussehen soll. 

Aktuell erarbeiten die Verkehrsplaner*innen eine Trassenstudie, die die beiden Alternativen – Schnellbusse (BRT) oder Stadtbahn (Tram) – in ihren Vor- und Nachteilen gegenüberstellt. Die Studie soll Ende 2022 abgeschlossen sein und eine Entscheidungsgrundlage für die Kieler Ratsversammlung bilden. Eine Diskussion mit unseren internationalen Partnerstädten über deren Mobilitätskonzepte für die Zukunft ist somit für Kiel im kommenden Jahr besonders wertvoll.

 
Symbolbild für den Masterplan Mobilität

 


Herausforderungen der Mobilitätswende

Ziel des Städteforums 2022 soll es daher sein, mit den Partnerstädten über die unterschiedlichen Aspekte von urbaner Mobilität und die Herausforderungen der Mobilitätswende in einen Austausch zu kommen. Nach einem einführenden Impulsvortrag der Mobilitätsexpertin Katja Diehl sowie einem Dialoggespräch zwischen Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und Jana Kühl, Professorin für Radmanagement an der Ostfalia Universität, wird es Workshops zu vier verschiedenen Aspekten von Mobilität geben: 

  • Stärkung des emissionsarmen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
  • Ausbau von Fuß- und Radverkehr
  • Digitalisierung und Mobilitätswende
  • Mobilität rund ums Wasser

 

Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine kurze Podiumsdiskussion, die auch Vertreter*innen der Zivilgesellschaft mit einbeziehen soll. Als Querschnittsthema soll dabei immer mitgedacht und diskutiert werden, wie die städtische Bevölkerung mitgenommen und für die Mobilitätswende begeistert werden kann. Der Austausch und die internationale Kooperation mit Kiels Partnerstädten kann bei der Entwicklung von Lösungsansätzen für die Herausforderungen der Mobilitätswende wichtige Impulse geben.

Katja Diehl im Portrait vor einer Betonwand
Katja Diehl ist Mobilitätsexpertin, Podcasterin und Autorin. Sie hat gerade ihr Buch "Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt" veröffentlicht.
Jana Kühl im Portrait
Jana Kühl ist Professorin für Radverkehrsmanagement am Institut für Verkehrsmanagement, Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaft.